Eine Wolke, die lacht, auf dunklem Grund. die Wolke ist regenbogenfarbig und umgeben von weiteren wolken. Illustratíon.

Das Leerzeichen bei Trans Person vs. Transperson.

Wie wichtig ist das Leerzeichen bei "trans Person" - oder Transperson? Eine queere Perspektive.

Als jemand, der*die mit gender gar nichts anfangen kann (weil ich agender bin), und damit der Definition nach die „trans“-Erfahrung gemacht hat, befremdet mich die Debatte über die Frage ob zwischen „trans“ und „Person ein Leerzeichen gehört, also ob es „trans Person“ oder „Transperson“ heißt.

Disclaimer: Ich weiß, dass ich mit dieser Position eine Minderheitenposition unter trans Personen vertrete. Ich verwehre mich dagegen, als Token genutzt zu werden, ich möchte nicht, dass dieser Artikel als Rechtfertigung für problematisches Verhalten genutzt wird. Der Post richtet sich explizit und vorrangig an trans Personen.

Meine Sicht ist für mich klar: Wir bestimmen, wie wir bezeichnet werden. Die einen mögen es mit Leerzeichen, die anderen ohne lieber sehen, einige halten es sogar für entmenschlichend, wenn das Leerzeichen fehlt. Ein paar Argumente meinerseits, dafür, beide Worte das selbe meinen zu lassen, nämlich: Personen, die trans sind bzw. die trans-Erfahrung gemacht haben.

  1. Inklusion. Für Menschen mit Problemen mit der Rechtschreibung aus welchem Grund auch immer kann es schwierig sein, wenn man sie in die Ecke von Transfeinden stellt, weil sie ein Leerzeichen nicht gesetzt haben. Ich hätte gern, dass alle über und von und mit uns schreiben können, auch wenn sie Probleme mit der Rechtschreibung haben.
  2. Ermächtigung. Wenn wir uns dass Wort „Transperson“ aneignen und klar sagen, es bedeute dasselbe wie „trans Person“, nehmen wir TERF und anderen transfeindlichen Personen die Munition, uns mit einem einfachen Leerzeichen zu entmenschlichen. Ich weiß, dass sie gern hätten, dass das was anderes bedeutet, aber ein Aneignen des Wortes kann funktionieren, das haben wir schon bei „gay“ z.B. erlebt.
  3. Vielfalt der Selbstbeschreibung. Wenn beides nicht mehr als feindlich wahrgenommen wird, wäre es auch möglich, dass die eine Person sich lieber Transfrau nennt, während die andere eher trans Mann als Selbstbezeichnung wählt. So hätten wir Möglichkeiten der Selbstbeschreibung, die individuell gilt, anstatt uns wieder in ein sprachliches Korsett zu zwängen und transfeindlichen Personen das Feld zu überlassen.
  4. Entmenschlichung? Ich halte das fehlende Leerzeichen NICHT für entmenschlichend per se. Tatsächlich wäre es nur dann entmenschlichend, wenn wir kritiklos TERF-Sprache übernehmen und ihnen die Deutungshoheit überlassen. Das müssen wir nicht. Worte bedeuten das, was wir wollen – sie haben keine weitere intrinsische Bedeutung.
  5. Solidarität. Anstatt uns gegenseitig anzugreifen, weil eine*r von uns mit und die andere Person ohne Leerzeichen schreibt, wäre die Vereinnahmung beider Begriffe für unsere Zwecke auch eine Vereinigung zweier unnötig getrennter Lager.

Aus meinem persönlichen Sprachempfinden heraus bevorzuge ich auch „trans Person“. (Ich sage „die trans Erfahrung gemacht“, weil das falsch kategorisiert Werden bei Geburt eine Erfahrung ist und nichts, was man ist).

Ich wünsche dir einen friedlichen Tag.