Max Stirner schreibt 1844 ein Buch: „Der Einzige und sein Eigentum“. Doch was meinen diese Begriffe? In diesem Text möchte ich sie so erklären, dass sie auch ohne tiefes Vorwissen verständlich werden.
Der Einzige – Wer oder was ist das?
„Der Einzige“ ist das Herzstück von Stirners Philosophie. Er steht für das Ich, das sich nicht auf eine allgemeine Idee reduzieren lässt.
Hier ist eine Unterscheidung wichtig: Stirner spricht nicht vom „Individuum“. Dieser Begriff orientiert sich für Stirner immer noch an einem allgemeinen Begriff, z.B. „menschliches Individuum“. Auch meint er nicht das allgemeine „Ich“. Er spricht von einem einzigartigen Wesen, das sich nur darüber beschreibt, dass es „das Nichts von allem anderen“ ist. Der Einzige ist keine Idee oder ein abstrakter Begriff, sondern die konkrete, lebendige Realität, die man selbst ist.
Stirner sagt: „Kein Begriff drückt Mich aus, nichts, was man als mein Wesen angibt, erschöpft Mich; es sind nur Namen.“ Der Einzige bleibt immer mehr als jede Beschreibung, ein fortwährender Schaffensprozess. Der Einzige ist jemand, der sich nicht an die Erwartungen oder Definitionen anderer hält, sondern sich selbst in jedem Moment neu erfindet. Stirner beschreibt den Einzigen als jemanden, der nicht „vorausgesetzt, sondern gesetzt“ ist. Mit anderen Worten: Der Einzige bestimmt selbst, was und wer er ist. Er wird nicht fremd erschaffen, sondern erschafft und zerstört sich in jedem Moment neu.
Das Eigentum
Stirners Eigentumsbegriff ist eng mit der Vorstellung des Einzigen verknüpft. Eigentum ist für Stirner nicht das, was uns rechtlich gehört, wie etwa ein Haus oder Geld. Stirner verwendet den Begriff auch nicht vorrangig wirtschaftlich. Es geht vielmehr um das, was der Einzige sich durch seine eigene Macht und Kraft aneignet. Stirner sagt: „Meine Macht gibt Mir Eigentum.“, aber auch „Mein Macht ist mein Eigentum.“ Eigentum ist alles, was der Einzige für sich beanspruchen und über das er frei verfügen kann.
Dieser Eigentumsbegriff umfasst das, was sich der Einzige aus seiner eigenen Kraft heraus aneignet. Das können auch Ideen, Gefühle, oder Beziehungen sein.. Stirner drückt das so aus: „Du bist Eigner des Deinigen, d.h. alles dessen, was Du Dir zu eigen zu machen Kraft besitzest.“ Eigentum ist also Ausdruck der eigenen Fähigkeit, Dinge, Gedanken oder Verhältnisse für sich zu beanspruchen und zu nutzen.
Im klassischen Sinne wird Eigentum durch Regeln festgelegt. Wir haben z.B. einen Kaufvertrag, der anzeigt „Das gehört mir“. Für Stirner ist Eigentum aber einfach das, was der Einzige für sich nehmen kann. Er macht klar: „Was Ich Mir zu erzwingen vermag, erzwinge Ich Mir, und was Ich nicht erzwinge, darauf habe Ich kein Recht.“ Bei ihm wird Eigentum nicht durch gesellschaftliche Normen oder moralische Ansprüche bestimmt. Entscheidend ist allein durch die Macht, die man hat, etwas für sich zu gewinnen.
Fazit
Der Einzige und sein Eigentum bilden eine kraftvolle Vision von radikaler Selbstbehauptung. Der Einzige ist derjenige, der sich von allen äußeren Definitionen löst und sich selbst in jedem Moment neu erschafft. Sein Eigentum ist das, was er durch seine eigene Macht für sich beanspruchen kann – egal ob materiell, geistig oder emotional. Stirner fordert uns auf, uns selbst als Einzige zu begreifen. Er fordert auf: Setze deine eigenen Werte setzen und lebe nach deiner eigenen Kraft.
Wenn du das Buch selbst lesen willst, kannst du das z.B. in der anarchistischen Bibliothek machen.
Ich wünsche dir einen friedlichen Tag.



